Jubel in Odzisi am Rande des Kaukasus

Jubel in Odzisi am Rande des Kaukasus

In einem unscheinbaren Dorf in Georgien wurde eine Dorfschule aufwendig modernisiert. Lehrer wie Schüler sind begeistert. Am 15. September 2022 fand unter Beteiligung von Vertretern des georgischen Bildungsministeriums, der Beobachtermission der Europäischen Union (EUMM) und der stellvertretenden deutschen Botschafterin Tanja Hutt aus Tiflis die bewegende Übergabe der neu eingerichteten Schule statt.

Nana Chkareuli (Gründerin von „For Better Future“; links) und Schulleiterin Tamar Gunashvili bei der feierlichen Eröffnung.
Die stellvertretende deutsche Botschafterin in Georgien Tanja Hutt (rechts) übergibt der Schulleiterin Präsente des Auswärtigen Amtes.
Ehrengäste, Vertreter des georgischen Bildungsministeriums, Mitglieder der deutschen Botschaft und EUMM-Polizeibeamte haben sich vor der Eingangstür der renovierten Schule eingefunden.

Wie war es zu der für alle erfreulichen und aufwendigen Renovierung und Ausstattung der Dorfschule gekommen? Hierzu muss man wissen, dass Odzisi ein Dorf in Georgien ist, das sich etwa 60 Kilometer nordnordwestlich der Hauptstadt Tiflis an einer wichtigen Verkehrsverbindung in die Region Südossetien befindet. Es ist die letzte Station vor einer Art Demarkationslinie zu dieser abgespalteten Region im Kaukasus. 

Kurz vor dem Zerfall der Sowjetunion hatte sich Georgien 1991 bereits für unabhängig erklärt. Dies führte dazu, dass sowohl in der Region Abchasien ganz im Westen Georgiens als auch in Südossetien militärische Konflikte ausbrachen und beide Teile des Landes ihrerseits die Unabhängigkeit von Georgien erklärten. Russland unterstützte diese Aktionen durch mehrfaches militärisches Eingreifen und kontrolliert de facto seitdem durch seine militärische Präsenz diese Gebiete.

Die ständigen militärischen Auseinandersetzungen in dieser Region haben – vergleichbar der momentanen Situation in der Ukraine – zu zahlreichen zivilen Opfern und zu ethnischen Verschiebungen in der Größenordnung von 200.000 Menschen in der Bevölkerung Georgiens geführt. So leben in Odzisi circa 1000 „Georgier“, die allein im Kaukasuskrieg 2008 aus Südossetien über die Linie nach Süden geflüchtet waren. 

Die Dorfschule, die seit Jahren der angespannten Lage vor Ort Rechnung tragen muss, liegt in Sichtweite einer russischen Kaserne. Sie hatte in der hektischen Entwicklung über die Jahre nicht mithalten können, so dass sie in einen arg verwahrlosten Zustand geraten war. 

Die Dorfschule in Odzisi, in der wegen der Vertreibung zahlreicher Bewohner zur Zeit nur noch rund 100 Schüler unterrichtet werden.

Als nun unser Vorstandsmitglied Polizeihauptkommissar Heiko Lammertz, der schon in anderen Einsatzländern exzellente Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche umgesetzt (z.B. in Tawilah im Sudan) und auch bei der Realisierung der Verena-Schule in Mali mitgewirkt hat, im letzten Jahr auf einer seiner Patrouillen im Rahmen der EUMM-Beobachtermission die Schule in Augenschein nahm, fand er nur einen einzigen funktionsfähigen PC in der ganzen Schule vor.

Sofort nahm er Kontakt zur Schulleiterin Tamara Gunashvili auf und stellte kurzfristig über den Lachen-Helfen-Kooperationspartner Ralf Hamm (Labdoo Hub Rhein-Ruhr, Mülheim an der Ruhr) zunächst einen Laptop zur Verfügung. 

Noch während der Hauptphase der Corona-Pandemie in Georgien übergab Heiko Lammertz in Odzisi der Schulleiterin einen Laptop, was eine dabei anwesende Schülerin ganz besonders freute.

Sehr bald konnte Schuldirektorin Tamara Gunashvili Heiko Lammertz davon überzeugen, dass insbesondere die Einrichtung und Ausstattung eines Computerraums den Mädchen und Jungen bei der notwendigen Schulbildung sehr hilfreich sein würde. Wie in vielen Fällen zuvor stellte Heiko umgehend bei Lachen Helfen den hierfür notwendigen Finanzierungsantrag (8.600 Euro), der kurzfristig bewilligt wurde, sodass der Fachraum auch zügig fertiggestellt werden konnte. 

Ein wirkliches „Schmuckstück“ der Dorfschule in Odzisi ist der neu geschaffene Computerraum, der zudem auf dem aktuellen Stand der Technik ist.

Bei der Projektentwicklung war in besonderem Maße auch die Kooperation mit der vor Ort ansässigen NGO „Mtskheta-Mtianeti Regional Hub“ (MMRH; früherer Name: „Für eine bessere Zukunft“) hilfreich. Der neue Computerraum und die ergänzende PC-Ausstattung war binnen kurzer Zeit ein solcher Erfolg, dass Menschen, die nach Tiflis abgewandert waren, um ihren Kindern eine bessere Bildung zu ermöglichen, nun wieder zurück nach Odzisi kamen. Auch das georgische Schulministerium wurde auf die erfreuliche Entwicklung in der Dorfschule aufmerksam und ließ dort eine neue Heizungsanlage installieren, was ohne das Engagement von Lachen Helfen kaum denkbar gewesen wäre. 

Dieser Umstand hatte wiederum zur Folge, dass ein zweites Projekt beschlossen und auf den Weg gebracht wurde. Der Vorstand von Lachen Helfen e.V. stimmte zu, 21.000 Euro für die notwendigen umfangreichen Renovierungsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen, sodass weitere Klassenräume saniert und modernisiert wurden und anschließend mit kindgerechter Möblierung ausgestattet werden konnten, wozu noch einmal rund 14.000 Euro bewilligt wurden. 

Auch die älteren Schülerinnen und Schüler finden jetzt in den Klassen- und Fachräumen die Bedingungen vor, die zeitgemäße Bildung und Ausbildung erst möglich machen.

Man kann die Freude am Lernen förmlich spüren, da nun auch mit den angeschafften neuen Instrumenten naturwissenschaftlicher Unterricht durchführbar ist.

Durch die Pflanzung von Bäumen auf dem Schulhof wird zusätzlich eine angenehme Lernatmosphäre für Kinder und Jugendlich erzeugt.

Die durch unseren Verein ermöglichte erhebliche Verbesserung der schulischen Ausbildung in Odzisi ist für die Bewohner dieser Region ein bisher nicht für möglich gehaltenes Zeichen der Hoffnung und der Steigerung ihrer Lebensqualität, haben doch nun Mädchen wie Jungen auch deutlich verbesserte Chancen für ihren Einstieg in die Arbeitswelt. Kein Wunder, dass bei der sehr bewegenden Einweihungsfeier alle Anwesenden in allerbester Stimmung waren. 

Glückliche Gesichter gab es bei der Schuleröffnung am 15. September auch bei den Verantwortlichen: Hier sind es Polizeioberkommissar Malwin Balczyk (Polizeipräsidium Münster), Mitglied der EUMM-Beobachtermission, eingerahmt durch die For-Better-Future-Gründerin Nana Chkareuli (links) und Schulleiterin Tamara Gunashvili.

2022-10-23T20:08:56+00:00