Das Virus erschwert die Hilfe

Das Virus erschwert die Hilfe, kann sie aber nicht stoppen

Der Pandemie-Lockdown hat auch Lachen Helfen e.V. zwangsläufig erheblich getroffen. Inzwischen mussten wegen Corona 32 teils große Publikumsveranstaltungen abgesagt werden. Sie hätten normalerweise höhere Spendensummen eingebracht oder die Gelegenheit geboten, auf die wichtige humanitäre Arbeit zugunsten der Kinder in Kriegs- und Krisengebieten aufmerksam zu machen. Das erschwert zurzeit die Hilfeleistungen sehr, legt sie aber nicht lahm. Und für Resignation ist ohnehin keine Zeit: Das Jubiläum „25 Jahre Lachen Helfen e.V.“ im kommenden Jahr muss vorbereitet werden.

„Lachen Helfen“ vielfältig präsent – ein solches Bild wie hier vom NRW-Tag 2016 ist aktuell wegen Corona nicht vorstellbar. 32 Veranstaltungen sind in diesem Jahr bereits ausgefallen.

„Lachen Helfen: Gebremst, aber nicht gestoppt“, unter dieser Überschrift berichtet „loyal“, das vom Reservistenverband herausgegebene Magazin für Sicherheitspolitik, in seiner August-Ausgabe auf zwei Seiten über unsere Initiative. „Aufhänger“ dieses Beitrags sind die Finanzprobleme durch die Corona-Krise. Alle ehrenamtlich tätigen Hilfsorganisationen erleben zurzeit die schwerste Belastungsprobe ihrer Geschichte: Das Virus sorgt für einen katastrophalen Spendeneinbruch, sämtliche Benefiz-Veranstaltungen müssen ausfallen, jede Form der Unterstützung ist massiv reduziert. Das wirkt sich zwangsweise auch auf Lachen Helfen aus: Unser Verein kann zurzeit nur noch eingeschränkt wirken, geht aber trotzdem optimistisch ins Jubiläumsjahr 2021.

Lachen Helfen arbeitet eng mit dem Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. zusammen und hat mit ihm 2008 eine offizielle Kooperationsvereinbarung geschlossen. Wie eng die Beziehungen sind, das zeigt schon der Vorsitzende: Oberstleutnant d.R. Roderich Thien ist zugleich auch Verbandsmitglied, ebenso sein Stellvertreter Oberstleutnant d.R. Hans-Hermann Tirre und weitere Vorstandsmitglieder. Die Vereinsarbeit hatte 1996 unter dem Motto „Teddybären für die Krajina“ begonnen, weil im ehemaligen Jugoslawien eingesetzte deutsche Soldaten dem Elend der Kinder nicht mehr länger tatenlos zusehen wollten. Von Anfang an waren Reservisten ein wesentlicher Bestandteil dieser humanitären Anstrengungen – sowohl für die Tätigkeitsbereiche im Inland als auch für die zahlreichen Auslandseinsätze. Diese Verzahnung zwischen den Streitkräften und Reservisten einerseits sowie den zivilen Behörden, Verbänden und Wirtschaftsunternehmen auf der anderen Seite ist dem Vorstand von Lachen Helfen wichtig.

Eng und fruchtbar ist die Zusammenarbeit mit dem Reservistenverband, hier symbolisiert durch den Lachen-Helfen-Vorsitzenden Roderich Thien (links) und VdRBw-Präsident Prof. Dr. Patrick Sensburg.

In den fast 25 Jahren seines Bestehens hat Lachen Helfen e.V. in etlichen Kriegs- und Krisengebieten eine beeindruckende Liste von kleinen und großen Hilfsprojekten realisieren können, die allen Widrigkeiten zum Trotz heute noch Bestand haben: Schülerinnen und Schüler in Afghanistan, im Sudan und in Mali haben ebenso davon profitieren können wie eine Kinderklinik im Irak oder Straßenkinder in der Ukraine. Die Soldaten und Polizisten konnten bislang vor Ort sicherstellen, dass jeder Spenden-Euro den Kindern zugutekommt und kein Geld unbemerkt in dunklen Kanälen versickern kann.

Das alles funktioniert durch das global wütende Virus gegenwärtig nicht mehr. Einsatzkontingente schrumpfen, die verbleibenden Kräfte verlassen – paradoxerweise auch zum Schutz der einheimischen Bevölkerung – ihre Feldlager meist nur noch in Ausnahmefällen. „Eingefroren“ ist damit auch der Gedanke der „Force Protection“, ein gewollter Nebeneffekt der Hilfsaktionen: „Mit der humanitären Unterstützung verknüpfen wir die Hoffnung, dass deutsche Soldaten und Polizisten in Auslandseinsätzen nicht als Besatzer geduldet, sondern als Partner begrüßt werden“, erläutert der Vorsitzende.

Auch in der Heimat knirscht es zurzeit gewaltig: Corona dreht brutal den Geldhahn ab. Roderich Thien beschönigt nichts: „In den letzten Wochen sind zahlreiche Veranstaltungen abgesagt worden, bei denen wir normalerweise unsere aktuellen Hilfsprojekte hätten darstellen und teils stattliche Einnahmen zum Beispiel durch Benefizkonzerte verbuchen können. Mittlerweile betrifft dies 32 größere Veranstaltungen – wie das bislang so erfolgreiche Musikfest der Bundeswehr, das auf den 25. September 2021 verschoben werden musste.“

Die bittere Folge: Stillstand! Das Corona-Chaos sorgt ohnehin schon dafür, dass sich die allgemeine Aufmerksamkeit in Deutschland auf die neuartigen Herausforderungen im direkten Umfeld konzentriert. Wen interessieren zurzeit schon „anonyme“ Kinder irgendwo im fernen Afrika oder in Asien. Immerhin hat Lachen Helfen noch etwas Glück im Unglück: Durch die von der Bundeswehr unterstützte kleine Geschäftsstelle in Düsseldorf und die breite, ausschließlich ehrenamtliche Arbeit der Vereinsmitglieder sind die laufenden Kosten sehr gering.

Die Vorstandsarbeit geht unermüdlich weiter, hier ein Treffen kurz vor der Pandemie in der Geschäftsstelle in Düsseldorf. Jetzt gilt es natürlich, entsprechen Sicherheitsabstand zu halten.

„Niemand kann derzeit voraussehen, wie lange und in welchem Umfang die notwendigen Beschränkungen noch aufrechterhalten werden müssen“, sagt Thien. „Unter der Voraussetzung, dass Mitte des kommenden Jahres 2021 wieder andere Bedingungen vorherrschen, haben wir jetzt jedoch ungewollt viel Zeit, unser Jubiläum vorzubereiten.“ Langeweile kommt also trotzdem nicht auf: Das 25-jährige Bestehen von Lachen Helfen soll am Donnerstag, 24. Juni 2021, in der Koblenzer Falckenstein-Kaserne gefeiert werden.
Nach der Corona-Zwangspause, die leider auch viele Benefiz-Veranstaltungen zugunsten von Lachen Helfen unmöglich macht, soll es wieder wie gewohnt weitergehen, verspricht der für die Umsetzung von Hilfsprojekten zuständige stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Hanakam: „Kinder in Kriegs- und Krisengebieten wie in Mali, in der Ukraine, auf dem Balkan oder in Georgien, so unser Vereinsziel, sollen trotz allen Elends neue Hoffnung schöpfen dürfen.“ In den zurückliegenden zwölf Jahren hat sich bei zahlreichen Veranstaltungen die Kooperation mit dem Reservistenverband als besonders wertvoll herausgestellt, da sich die rund 50 Standort- und Vereinsrepräsentanten des Vereins in ganz Deutschland immer wieder auf die Unterstützung vieler VdRBw-Mitglieder verlassen konnten.

Lachen-Helfen-Vorstandsmitglied Helmut Michelis ist ebenfalls ein Beispiel für die enge Verbindung mit dem Reservistenverband. Hier präsentiert er in Berlin die Chronik des VdRBw.

Zurzeit wird die Teilnahme an der bundesweit stattfindenden Aktion „Mit dem Fahrrad zur Arbeit“ vorbereitet – mit den auffälligen roten T-Shirts von Lachen Helfen. Weitere Ideen, auch in der Pandemie weiter für die Initiative werben zu können, sind willkommen. Noch nicht beigetretende Interessierte sollten die allgemeine Corona-Zwangspause auch nutzen, eine Mitgliedschaft bei Lachen Helfen e.V. zu prüfen. „Wir freuen uns über jedes neue Mitglied und jedwede Unterstützung bei unserer Arbeit“, betont Oberstabsfeldwebel a.D. Jürgen Boes, der Leiter der Lachen-Helfen-Bundesgeschäftsstelle in Düsseldorf und verspricht: „Es lohnt sich doppelt: Das geschenkte Lachen kommt auch auf uns zurück.“

Text: Helmut Michelis, Fotos: Sören Peters (VdRBw)/Michelis/Archiv Lachen Helfen e.V.

2020-09-06T15:28:17+00:00