Eine Geschichte über Menschen mit Herz, Kompetenz und Großzügigkeit und wie sie es vermochten, dem kleinen Etonit eine „normale“ Zukunft zu ermöglichen.

OStBtsm Theis, KFOR Feldlager Prizren, 6. Einsatzkontingent

Brigitte Rösner-Starke aus Schwerin ersuchte bei unserem Verein um Hilfe für ein verletztes Kind aus Potoqan in der Gemeinde Rahovec (Kosovo), das bei einem Badeunfall so starke Verbrühungen an Händen, Armen und Beinen erlitten hatte, dass es von Juni bis August 2002 im Krankenhaus in Pristina lag und um sein Überleben kämpfte. Eine Fehlbehandlung im Krankenhaus hatte zur Folge, dass die Finger an der linken Hand an der Handinnenfläche angewachsen waren. An der rechten Hand war die Haut der Handinnenfläche so kurz, dass die Finger aufgrund dessen nur eingeschränkt bewegungsfähig und die Hand wie zu einer Faust geballt war. An beiden Beinen hat es erhebliche Brandnarben und am linken Fuß befanden sich zwei Zehen seitlich vom Fuß.

Das Schicksal des kleinen Etonit ging uns – die wir hier für KFOR im Einsatz sind – nahe, und wir sahen eine Möglichkeit, ihm zu helfen. Dazu änderten wir noch am selben Abend den Arbeitsplan für den folgenden Tag und planten einen Besuch in Potoqan mit ein. Von unserem Besuch bei der Familie zurückgekehrt, begab ich mich in unser Feldlazarett im Feldlager Prizren, um mit dem Leiter, OFArzt Dr. Fischer, über den Fall zu sprechen und um Hilfe zu bitten. Dank seiner und der spontanen Mithilfe des Schweizer Oberstarztes Dr. Herkert konnte der Junge am 19. April 2003 im Feldlazarett zur Begutachtung vorstellt werden. Beide Ärzte kamen zum Ergebnis, dass gute Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung bestünden, wenn umgehend operiert werden könnte.

Das Schicksal meinte es gut mit Etonit, denn beide Ärzte waren „zufällig“ Spezialisten auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie. Dr. Fischer versprach zu prüfen, ob als erste Maßnahme durch eine Operation im Feldlazarett die Finger wieder gerade zu bekommen wären. Das Problem war die Anästhesie, da normalerweise im Feldlazarett keine Kleinkinder operiert werden. Gleichzeitig wollte er sich aber auch erkundigen, ob in Prizren eine Operation im Krankenhaus möglich sei. Am 5. Mai wurde der kleine Etonit von uns dem Leiter der Orthopädischen Abteilung des Krankenhauses vorgestellt. Dr. Herkert schlug ihm vor, den Jungen in gemeinsam zu operieren, und versprach, das dazu nötige Operationsbesteck mitzubringen, da das Krankenhaus nicht über die entsprechenden Geräte verfügte.

In einer viereinhalbstündigen Operation wurden die Finger der linken Hand operiert und durch eine Hauttransplantation wieder in die normale Lage gebracht. Als dem kleinen Jungen später der Verband abgenommen wurde und der Oberfeldarzt sich die Hand zur Kontrolle anschaute, war ich mit dabei. Unser aller Freude war groß, als wir sahen, dass die Finger wieder gestreckt waren und der allgemeine Zustand gut. Der Termin für die Operation der anderen Hand wurde sodann auf den 5. Juni gelegt. Ich brachte den Jungen mit seiner Mutter am vorher wieder ins Krankenhaus.

Mein Einsatz im Kosovo war am 5. Juni 2003 beendet. Durch meine Kontakte zu den Kameraden vor Ort weiß ich, dass beide Operationen an den Händen insgesamt gut verlaufen sind und der Junge heute schon wieder seine Finger leicht bewegen kann. Auch eine Operation am linken Fuß ist bereits durchgeführt und sehr gut verlaufen. Es steht noch eine kleine Schönheitsoperation am rechten Fuß an, bei der der äußere Zeh etwas gerichtet werden soll. Für den kleinen Etonit besteht gute Hoffnung bald wieder auf ein normales Leben. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Beteiligten für ihre kompetente, engagierte, schnelle und unkomplizierte Hilfe von ganzem Herzen bedanken. Hierzu gehören alle freiwilligen Helfer im Hintergrund, die Ärzte, die Leiterin des Krankenhauses, die sich übrigens damit einverstanden erklärt hatte, dass weder für die Operationen noch für die Unterbringung der Mutter Kosten erhoben würden.