Die EU-Sicherheits- und Verteidigungsinitiative zur Unterstützung der westafrikanischen Staaten am Golf von Guinea (EU SDI Gulf of Guinea) ist eine der Missionen im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU. Sie entsendet Militär- und Zivilberater in die Küstenländer, um diese im Ausbau ihrer Sicherheits- und Verteidigungskapazitäten zu unterstützen, Bedrohungen der Sicherheitslage zu begegnen und einer Ausbreitung der Gefährdungslage aus der Sahelzone in die westafrikanischen Küstenstaaten entgegenzuwirken.

„Ich bin Polizeihauptkommissar Mark Schnödewind aus Nordrhein-Westfalen. Nach Ghana hatte es mich dienstlich verschlagen, als polizeilicher Gastausbilder (Visiting Expert) für die EU-Mission. Meine Aufgabe bestand hauptsächlich in der Beratung und im Training der lokalen Sicherheitsbehörden im Bereich Methodik und Didaktik.“

„Durch den dauerhaft in der Hauptstadt Accra ansässigen Civilian Crisis Manager der Mission, Kriminaloberrat a.D. Georg Fliege, war ich im historischen Stadtteil Jamestown auf die „Keep Off the Street Foundation“ gestoßen, eine lokale Schule und Initiative für Bildung und Obdach mit dem Ziel, die teils verwaisten Kinder und Jugendlichen vor Kriminalität, Betteln und moderner Sklaverei zu bewahren.“

Keep Off the Street Foundation

Daniel Addo, genannt „Nii“, und PHK Mark Schnödewind

„Den ersten persönlichen Kontakt mit dem Schulleiter, Daniel Addo, im Viertel unter „Nii“ bekannt, hatte ich im Mai 2025 vor dem Leuchtturm, dem Wahrzeichen von Jamestown. Er begrüßte mich mit „Hello, my Brother“ und zeigte mir die Umgebung der Schule. Wir gingen über einen großen Ascheplatz, auf dem zahlreiche Kinder in der westafrikanischen Mittagssonne Fußball spielten. Jamestown hat, wie viele Orte in der Gegend, eine Geschichte der Sklaverei und Kolonialisierung, was noch immer durch Herrschaftshäuser und Gräber von Sklaventreibern deutlich wird. Die Schule selbst wurde notdürftig in einem alten Sklavenlager errichtet.“

„Bevor wir zu der Schule selbst gingen, besichtigten wir noch den angrenzenden chinesischen Fischereihafen. Nii sagte mir, dass viele Kinder hier aufgrund mangelnder Perspektive zum Fischfang in kleinen Booten teils wochenlang zur See fahren. Meine anschließenden Recherchen bestätigten Niis Erzählungen: NGOs berichten über Kinderarbeit, über Großkonzerne, die die lokale Traditionsfischerei verdrängen und über illegale Fangmethoden. Zudem bestehe ein Zusammenhang zur organisierten Kriminalität, der es ermögliche, den illegal gefangenen Fisch unter anderem nach Europa zu exportieren.“

„In der Schule selbst stieß ich auf lachende Kinder, die motiviert das Alphabet lernten. Das Gebäude selbst war eher heruntergekommen, das Dach teilweise löchrig. Da ich in Ghana zuvor bereits ehemalige Sklavenburgen besucht hatte, erkannte ich in dem Gebäude ein Merkmal wieder: Die Fenster waren gerade groß genug, um für eine ausreichende Sauerstoffzufuhr für die eng zusammen eingesperrten Sklaven zu sorgen, aber so hoch angebracht und schmal, dass diese nicht fliehen konnten. Dies machte den Innenraum sehr dunkel, die einzeln notdürftig angebrachten Glühbirnen konnten gerade ausreichend Licht zum Lesen ausstrahlen. Und dennoch haben Nii und seine Helfer*innen es geschafft, eine einladende, kinderfreundliche Atmosphäre zu schaffen. Die Wände sind bunt bemalt, teils mit Comicfiguren, teils mit Lese- und Lernhilfen. Die Lehrer*innen sind herzlich und schaffen es, mit geringen Mitteln Unterricht zu halten. Bei einem späteren Besuch erzählte mir ein Lehrer, dass er mit Hilfe eines Lehrbuchs, dass ihm Georg Fliege geschenkt hat, sich und anderen Lehrern, vor allem aber einer gehörlosen Schülerin, Zeichensprache beibringt.“

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„Zum Abschluss der Tour fragte ich Nii nebenbei, was sie außerdem für Herausforderungen haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ihm noch nicht erzählt, dass ich Lachen Helfen e.V. kontaktieren möchte, um für die Unterstützung einiger Bauprojekte in seiner Schule zu bitten. Er erzählte mir von der offenen Kanalisation, die bei starkem Regen überläuft, wodurch das ungeklärte Wasser über den Boden vor und in der Schule läuft. Über zu wenig Platz, die steigende Anzahl an verarmten und verwaisten Kinder aufzunehmen, und über Schwierigkeiten, Trinkwasser in die Vorratstanks zu pumpen. Ich erzählte ihm von Lachen Helfen e.V. und besprach mit ihm die Details und möglichen Kosten für das Projekt. Die Anforderung, das Material und die Arbeitsleistung aus der unmittelbaren Umgebung zu beschaffen, war in Jamestown unproblematisch.“

„Bei Lachen Helfen war dann schnell klar, dass es sich lohnt, dieses Projekt zu unterstützen. Der Verein stellte in zwei Schritten Gelder bereit, mit denen die notwendigen Bauarbeiten durchgeführt wurden. Zunächst wurde das Dach des alten Schulgebäudes erneuert, um die Kinder beim Unterricht und generell beim Wohnen in der Schule vor Regen zu schützen. Zeitgleich wurde ein zusätzliches Schulgebäude errichtet, das durch die Bauweise wesentlich heller und luftdurchlässiger ist. Das Material hierfür konnte ich gemeinsam mit Nii direkt in Jamestown besorgen. Dabei wies er die Händler*innen darauf hin, dass es nicht für ein privates Projekt, sondern für die Community besorgt wird, was dem Verein und mir große Dankbarkeit und kleine Rabatte einbrachte.“

„Die Handwerker und Helfer kamen alle aus der unmittelbaren Nachbarschaft und freuten sich sowohl über die Arbeit als auch für die Kinder.“

„Einige Wochen später wurden in einem zweiten Schritt Pumpen für das Ab- und Frischwasser installiert, neue Schulmöbel gebaut und das Licht im alten Schulgebäude erneuert. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits zurück in Deutschland, Georg Fliege übernahm dann die weitere Betreuung.“

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Der Bau des neuen Schulgebäudes schreitet voran…

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… und alle freuen sich!

„Dieses ganze Projekt hat in mir gemischte Gefühle ausgelöst. Es ist erfüllend, ein wenig gegen das Elend und für Zukunftsaussichten von Kindern zu tun, die unverschuldet in Armut geboren werden. Es gibt Hoffnung, diese Kinder lachen, spielen und mit Freude lernen zu sehen. Es ist inspirierend, Leuten wie Nii, den Lehrer*innen, Köchinnen, Krankenschwestern und Sozialarbeiter*innen dabei zuzusehen, wie sie freiwillig und leidenschaftlich dazu beitragen, dieses Lachen und diese Freude zu ermöglichen. Und es beruhigt zu wissen, dass es einen Verein wie Lachen Helfen e.V. gibt, der solche Projekte unterstützt. Gleichzeitig zeigt es mir auf emotionaler Ebene, womit ich mich in Gedanken schon lange beschäftige: Die Welt ist nicht gerecht. Güter sind ungleich verteilt, und je nachdem, wo Kinder geboren werden, ist der Zugang zu diesen Gütern unmöglich. Ghana ist hier noch ein vergleichsweise harmloses Beispiel, die Sozial- und Infrastruktur ist relativ gut ausgebaut, und der sichere Frieden ermöglicht ein System kommunaler und nachbarschaftlicher Unterstützung. Allerdings gibt es auch Berichte über ausbeuterische Arbeitsverhältnisse und Kinderarbeit, begünstigt durch Korruption und kriminelle Strukturen.“

„Ob sich die Bereitschaft, etwas gegen diese Umstände zu tun, jemals verbessern wird, vermag ich nicht zu sagen. Bis dahin bin ich zutiefst dankbar, dass es Initiativen wie Lachen e.V. gibt, um zumindest den Schwächsten und Unschuldigen, nämlich den Kindern, ein wenig Freude und Perspektive zu geben.“ (M. Sch.)