„Lachen Helfen“ feiert 25 erfolgreiche Jahre

„Lachen Helfen“ feiert 25 erfolgreiche Jahre

Die Mitglieder von „Lachen Helfen“ denken normalerweise nur an andere, denen es viel schlechter geht: die zahlreichen Kinder in den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt. Doch diesmal standen die Helfer bei einem Festgottesdienst und einer anschließenden Feierstunde zum 25-jährigen Bestehen der außergewöhnlichen Initiative von Soldaten und Polizeibeamten in der Koblenzer Falckenstein-Kaserne ausnahmsweise selbst im Mittelpunkt.

Gute Laune zum Jubiläum zeigten (v.l.) Generalleutnant Jürgen Knappe, Brigadegeneral Markus Kurczyk und VdRBw-Präsident Professor Patrick Sensburg. Foto: Helmut Michelis.

Begonnen hatte alles am 27. März 1996 unter dem Motto „Teddybären für die Krajina“. Im ehemaligen Jugoslawien eingesetzte deutsche Soldaten, darunter der inzwischen verstorbene Hauptfeldwebel Uwe Stuttfeld, wollten dem Elend der Menschen nicht mehr länger tatenlos zusehen. Vor allem durch seine Projekte auf dem Balkan – in Kroatien, in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo – wurde der Verein schnell bundesweit bekannt. Kinder, die Schwächsten aller Betroffenen, standen sofort im Mittelpunkt der spontanen Hilfe, und der heutige Vereinsname war sehr schnell gefunden: „Den Kindern müssen wir helfen. Die müssen wieder zum Lachen gebracht werden“, hatte Uwe Stuttfeld während einer Patrouillenfahrt durch kriegszerstörte Landstriche sichtlich betroffen zu seinem Begleiter gesagt.

Hauptfeldwebel Uwe Stuttfeld, der im Jahre 2001 viel zu früh verstorben ist, war im Jahr 1996 einer der Gründer von „Lachen Helfen“ auf dem Balkan. Foto: Lachen Helfen e.V.

Dem Vereinsnamen entsprechend drehte sich im Casino alles um das Lachen. Der Parlamentarische Staatssekretär a.D. Dr. Peter Tauber zitierte als Festredner gar den großen Philosophen Immanuel Kant: „Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen.“ Tauber ließ das erfolgreiche Vierteljahrhundert der Initiative in vielen Beispielen Revue passieren und stellte fest: „Viele der Kinder, denen die Männer und Frauen von damals ein Lachen geschenkt haben, sind heute Erwachsene, haben selbst Kinder.“ Die Initiative sei ein lebendiges Beispiel Innerer Führung, die Verantwortung einfordere und es nicht gestatte, sie auf den Vorgesetzten oder die Gesellschaft zu delegieren. „Das bedeutet: Sieht man Not, dann ist man aufgefordert, etwas zu tun und nicht nur Meldung zu machen.“

Der Parlamentarische Staatssekretär a.D. Dr. Peter Tauber würdigt bei seiner Festrede das unermüdliche Wirken von „Lachen Helfen“ als vorbildlich. Foto: Peter Riege/Bundeswehr.

„Lachen Helfen“ hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Hilfsorganisationen: Seine Repräsentanten kommen als Soldaten oder Polizeibeamte auch an Orte, die für zivile Helfer zu gefährlich oder zu abgelegen sind. Außerdem können sie unmittelbar und über einen langen Zeitraum die Planung, Umsetzung und Fertigstellung von Baumaßnahmen begleiten, so dass kein gespendeter Euro in dunklen Kanälen versickern kann. Die benötigten Dienstleistungen, Baustoffe und Hilfsgüter werden lokal oder regional organisiert, was einen weiteren Beitrag zur Stabilisierung der Lage leistet.

Peter Tauber, selbst Hauptmann der Reserve, wünschte der Initiative weitere erfolgreiche 25 Jahre. „Die Welt ist wie sie ist. Wir werden auch in dieser Zukunft Kinder sehen, denen nicht nach Lachen zu Mute sein kann. Ihnen zu helfen, das Lachen wiederzufinden, ist ein hoher Anspruch. Aber er ist vielleicht viel eher das, worauf es im Leben ankommt, als das, was wir sonst für wichtig halten.“

Grußworte sprachen der Koblenzer Oberbürgermeister David Langner und der Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, Generaloberstabsarzt Dr. Ulrich Baumgärtner. Für den passenden fröhlichen musikalischen Rahmen sorgte die Dixie-Besetzung des Heeresmusikkorps Koblenz, worüber sich die beiden Militärbischöfe Dr. Franz-Josef Overbeck und Dr. Bernhard Felmberg besonders amüsierten. Beim Ökumenischen Festgottesdienst, der der Feierstunde voranging, ertönte statt Orgelklang fröhlicher Jazz – das erlebe man normalerweise bei einer solchen Zeremonie nicht.   

Auch die muntere Musik passte zum fröhlichen Rahmen: Die Dixieland-Besetzung des Heeresmusikkorps Koblenz unter Leitung von Hauptfeldwebel Sven Haas sorgte bei der Feier mit viel Schwung für die musikalische Unterhaltung. Foto: Helmut Michelis.

„Die Bibel hat Humor!“ Mit dieser Einleitung überraschte der Katholische Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck in seinem Geistlichen Wort während des Gottesdienstes. Er zitierte die Passage, als Gott Abraham mitteilt, dass seine Frau Sara in hohem Alter doch noch das erhoffte Kind gebären solle. Das Ehepaar habe darüber gelacht „als Ausdruck eines großen Erstaunens ob des Eingreifens Gottes in einer Lebenssituation, aus der die Betroffenen keinen Ausweg mehr sehen“, erläuterte Overbeck. „Plötzlich ist wieder Leben möglich. Hoffnungen werden durch Verheißungen, die sich umsetzen, wirklich.“ Für diese Umsetzung sorgen Menschen, die sich für andere einsetzen“ – wie bei „Lachen Helfen“.

Der Feierstunde war ein ökumenischer Festgottesdienst vorangestellt. Die Militärbischöfe Dr. Bernhard Felmberg (l.) und Dr. Franz-Josef Overbeck werden hier beim gemeinsamen Gesang vom Evangelischen Militärdekan a. D. Reinhard Gorski unterstützt. Foto: Foto: Peter Riege/Bundeswehr.

Der Verein stützt sich dabei auf Partner wie den Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr, mit dem 2008 eine offizielle Kooperationsvereinbarung unterzeichnet wurde. Deshalb freute sich Lachen-Helfen-Vorsitzender Oberstleutnant d. R. Roderich Thien ganz besonders über den Besuch des Präsidenten des VdRBw, den kürzlich zum Oberst der Reserve beförderten Professor Patrick Sensburg.

Besonders eindrucksvoll für die zivilen und militärischen Gäste war der Programmpunkt „Präsentation aktueller Kinderhilfsprojekte“ mit Berichten aus den Einsatzländern, ob Afghanistan, dem Sudan oder der Ukraine. In der in Koblenz erstmals vorgestellten Chronik über die Initiative ist nachzulesen, dass seit 1997 in 19 Einsatzländern für rund 4,4 Millionen Euro mehr als 620 Projekte vom Spielplatz über eine Kinderklinik bis hin zu Schulen und Waisenhäusern gefördert worden sind. Damit, so schätzt der Verein, wurde geschätzt 325.000 Kindern ein Stück besseres Leben geschenkt, kurz: ein glückliches Lachen!

Ein Höhepunkt der Feierstunde war die Präsentation aktueller Kinderhilfsprojekte. Hier erläutert Polizeihauptkommissar Heiko Lammertz Einzelheiten des exzellenten Großprojekts im sudanesischen Tawilla. Foto: Peter Riege/Bundeswehr.

Und „Lachen Helfen” wäre nicht “Lachen Helfen”, wenn bei der Feierstunde in Koblenz nicht gleich wieder ganz konkret an die vielen Kinder in Not und Angst gedacht worden wäre. Roderich Thien gab noch während der Feierstunde bekannt, dass bei der Gottesdienst-Kollekte spontan 557 Euro zugunsten neuer Projekte zusammengekommen sind. So war es kein Wunder, dass nach Festgottesdienst und Feierstunde die geladenen Gäste wie die Akteure der Jubiläumsfeierlichkeiten im Casino der Koblenzer Falckensteinkaserne beim Austausch von Erinnerungen und der Diskussion von Zukunftsperspektiven noch länger zusammenfanden.

Das obligatorische Gruppenfoto zur Jubiläumsfeier: Wichtige Akteure des Tages stellen sich nach dem offiziellen Teil der Feierlichkeiten dem Fotografen. Foto: Lothar Riemer.

Fotogalerie zu Festgottesdienst und Feierstunde

2021-11-18T22:57:56+00:00